Wer gestaltet die Gesellschaft?

Als sich abzeichnete, dass die Klimakonferenz in Kopenhagen keine nennenswerten Ergebnisse erzielen würde, rasierten sich die Aktivisten der Klimapiraten aus Protest bei einer Spontan-Demo auf der Straße die Kopfhaare ab. Nicht nur die Tränen bei einigen dieser jungen Frauen und Männer flossen, auch die Seminarteilnehmer müssen bei dieser Szene aus dem Dokumentarfilm „Wenn nicht wir“ von Lena Kamp schlucken.

Die Seminarteilnehmer, das sind in diesem Fall junge Menschen Anfang 20, die am Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) in Rheinland Pfalz teilnehmen. Zum FÖJ gehört immer auch eine Seminarreihe. „Wer gestaltet die Gesellschaft?“ ist die selbstgewählte Frage, der sich die Teilnehmer des Freiwilligen Ökologischen Jahres beim vierten dieser mehrtägigen Seminare in diesem Jahr stellen. Und herauszuarbeiten, wie man sich in unserer Demokratie einbringen kann und wo es noch an Möglichkeiten der Beteiligung fehlt, das ist beim Vortrag am Dienstag-Morgen mein Job. Über 40 interessierte FÖJ-Teilnehmer lauschen interessiert und diskutieren im Anschluss engagiert. Welche Grenzen hat die direkte Demokratie? Sollte man Minister direkt wählen können? Reicht es aus, wenn deutsche Staatsbürger wählen dürfen? Oder sollte dieses Recht auf alle im Staatsgebiet lebenden Menschen ausgeweitet werden? Natürlich erzielen wir in der Kürze der Zeit keine Einigung. Aber dass in der Demokratie nicht nur die Entscheidung und Entscheider zählen, sondern auch die Wege zu einer Entscheidung Beachtung verdienen, das ist wohl bei den meisten Teilnehmern angekommen.

Nach der Mittagspause geht die Diskussion im Arbeitskreis „Zivilgesellschaft“ weiter. Seminarleiter Thomas Schmidt zeigt den oben erwähnten Film. Danach haben die Teilnehmer viele Fragen und wir kommen auch auf die mangelnde demokratische Kontrolle internationaler Abkommen zu sprechen. Wenn es keine Öffentlichkeit gibt, keinen geregelten Ablauf, sondern vor allen Dingen informelle Absprachen, die am Ende in Verträge gegossen werden, wo bleibt dann die Demokratie? Wie wichtig sind hier Organisationen wie die Klimapiraten, die den Entscheidern durch ihre Präsenz auf solchen Konferenzen das Gefühl geben, nicht völlig unbeobachtet schalten und walten zu können! Und damit haben wir auch schon die erste von vielen Antworten auf die Kernfrage des Seminars gefunden. Wer die Gesellschaft gestaltet? Jeder und jede einzelne, der sich für die wichtigen Fragen in unserer Gesellschaft engagiert.

Weitere Infos zum FÖJ unter foej-rlp.de

Zur Person

Alexander Slonka

Alexander Trennheuser ist der Landesgeschäftsführer von Mehr Demokratie NRW. Auf Einladung der Umweltverbände in Rheinland-Pfalz, nahm er an einer Seminar-Veranstaltung des freiwilligen ökologischen Jahrs in Hachenburg teil.